IN THIS LESSON

Die Hardware des Schmerzes

Damals, als ich noch ganz neu in der Schmerz-Neurowissenschaft war, hatte ich beim Durcharbeiten eines Stapels Forschungsliteratur über Schmerzbiologie eine Erkenntnis.

Wenn man wirklich darüber nachdenkt, verbringen wir unser ganzes Leben – quasi vom Moment unserer Geburt an – damit, vor einer ganz bestimmten Empfindung davonzulaufen.

Es ist die einzige Konstante der menschlichen Erfahrung.

Wir kaufen die weichsten Matratzen, um sie zu vermeiden. Wir schlucken Ibuprofen beim geringsten Anflug von Kopfschmerzen. Wir tragen Schuhe, um unsere Fußsohlen vor dem Schotter zu schützen. Wir betrachten Schmerz als den ultimativen Feind, das Ding, gegen das wir uns biologisch am stärksten wehren.

Und per Definition ergibt das Sinn. Wäre er nicht unangenehm, würde er nicht funktionieren.

Aber wenn man die Emotionen weglässt – das Leiden für eine Sekunde vergisst – und streng auf die Biologie schaut, ist Schmerz wohl eines der raffiniertesten technischen Meisterwerke im menschlichen Körper. Er ist kein „Bug“ im System; er ist das wichtigste Sicherheitsfeature. Ohne ihn überlebt man schlichtweg nicht. Es gibt seltene genetische Erkrankungen, bei denen Menschen ohne die Fähigkeit geboren werden, Schmerz zu empfinden. Ich kann mir dieses Leben nicht einmal vorstellen. Sie wissen nicht, wann sie sich einen Knochen gebrochen haben; sie wissen nicht, wann ihr Blinddarm platzt. Ihnen fehlt einfach die Alarmanlage.

Also, lass uns diese Alarmanlage zerlegen. Schauen wir uns die Hardware an – die „Wetware“ – speziell die Verkabelung in deiner Haut, die erkennt, wann die Welt gefährlich geworden ist.

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